informationen-fuer-aerzte-ott-051 Was mir jetzt hilft. AG Onkologische Bewegungsmedizin Mit fachlicher Unterstützung: Universität zu Köln für Innere Medizin
Centrum für Integrierte Onkologie Köln · Uniklinik Köln
OTT ® Onkologische Trainings- und
Bewegungstherapie

Informationen für Ärzte

„Gezieltes bewegungstherapeutisches Training wirkt bei onkologischen Patienten so gut, dass es als Medikament ein Blockbuster wäre. Wenn ich Turnschuhe auf Rezept verschreiben könnte, würde ich es tun.“

Prof. Dr. med. Michael Hallek
Direktor Klinik I für Innere Medizin und CIO Aachen Bonn Köln Düsseldorf

Was ist OTT® Onkologische Trainingstherapie – Aktiv gegen Krebs

Neben Systemtherapie, Chirurgie und Strahlentherapie gewinnt die Bewegungstherapie im Rahmen der Komplementärmedizin vermehrt an Bedeutung, um Nebenwirkungen der medizinischen Therapie sowie Auswirkungen der Krebserkrankung positiv zu beeinflussen.

Die Wirksamkeit von gezieltem Training während und nach einer Krebserkrankung und dessen positiver Einfluss auf die Nebenwirkungen der Erkrankung und der Therapie ist durch über 700 randomisierte und kontrollierte Studien bekannt und belegt. Standardisierte und flächendeckende Trainingsangebote für die Patienten fehlten jedoch bislang, insbesondere in der Nachsorge.

Über 700 randomisierte und kontrollierte Studien belegen den Effekt der OTT® bei onkologischen Patienten. Seit 2010 wurde die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie in wissenschaftlicher Kooperation im Centrum für Integrierte Onkologie Köln durch die AG onkologische Bewegungsmedizin entwickelt. Die Lebensqualität der onkologischen Patienten steigt. Das macht die OTT® demnach hocheffektiv und qualitätsgesichert. Ihre Evidenz bildet sich zudem in mehreren S3-Leitlinien ab (u.a. S3 LL „Supportive Therapie bei onkologischen Patienten“). Eine eigene S3-Leitlinie („Bewegungstherapie in der Onkologie“) ist innerhalb der Deutschen Krebsgesellschaft aktuell in der Umsetzung. Die OTT® ist auf einem sicheren Weg in die nachhaltige und flächendeckende Versorgungsstruktur von Krebspatienten.

Um hier eine schnellere Versorgung in gesicherten Strukturen zu erreichen, wurde im April 2019 die OTT®-Akademie als „MYAIRBAG-Training gegen Krebs GmbH“ aus dem Universitätsklinikum Köln ausgegliedert. Aufgabe dieser GmbH:

  • Durchführung der Zertifikatsfortbildung für Sport- und Physiotherapeuten im niedergelassenen Bereich.
  • Information ärztlicher Kollegen über qualifizierte OTT®-Therapeuten in Umgebung bzw. im wohnortnahen Umfeld ihrer Patienten.

Studien

Ein Übersicht aktueller Studien in der OTT® finden Sie unter Studien & weitere Informationen und auch ‎auf der Website des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) Köln Bonn an der Uniklinik Köln.

Was muss bei der Verordnung beachtet werden?

In der Onkologischen Trainings- und Bewegungstherapie gibt es in Abhängigkeit von

  • Krebsart
  • Behandlung
  • Medikamente
  • Nebenwirkungen
  • Persönliche Leistungsfähigkeit

verschiedene Verordnungsmöglichkeiten, um die Kostenträger zu beteiligen. Ausgebildete und zertifizierte OTT® Therapeuten besprechen während eines kostenfreien OTT®-Infotermins mit dem Patienten vor Beginn der Trainings- und Bewegungstherapie alle Fragen zur Diagnostik, Anamnese, Therapieplan und Abrechnung. Dadurch erhält der Patient einen umfassenden Eindruck über das OTT®-Konzept und die Arbeitsweise der Einrichtung und kann, wenn gewünscht, mit der onkologischen Trainings- und Bewegungstherapie beginnen. In der Regel entstehen für den Patienten finanzielle Eigenbeteiligungen, welche vor Beginn der Therapie genau und transparent besprochen werden.

Aktuell ist der erprobteste Weg dem Patienten eine Verordnung „Krankengymnastik am Gerät“ auszustellen. (Heilmittelvordruck 13 für die Physiotherapie).

Indikationen und Teilnahmevoraussetzungen

  • Geeignet für alle onkologischen Patienten unabhängig von Therapiestatus und Prognose (mögliche Kontraindikationen beachten)
  • Empfehlung für einen Gesundheits-Check aussprechen (Ruhe-EKG, Belastungs-EKG, Herzultraschall)
  • Medizinische Unbedenklichkeitsbescheinigung, Arztbrief mit Diagnosestellung und Therapiestatus, unterschriebene Einverständnis-und Datenschutzerklärung

Allgemeine Leitsätze für die Bewegungstherapie in der Onkologie:

  • Bewegungstherapie sollte so früh wie möglich angeboten werden!
  • Jede Krebsentität benötigt ihre eigenen Trainingsinterventionen!
  • Bewegung und Sport sollte den Patienten über alle Behandlungsphasen begleiten!

 

Kontraindikationen

Hinweis:
Bei den hier aufgelisteten Kontraindikationen handelt es sich um krebsspezifische Kontraindikationen. Orthopädische, kardiologische und psychische Kontraindikationen müssen zusätzlich berücksichtigt werden. Beachten Sie hierzu bitte die entsprechenden Richtlinien. Die Kontraindikationen beziehen sich auf das Training der OTT®. Dieses sieht moderate bis anstrengende (in Ausnahmefällen wie z.B. schwere Fatigue auch leichte) körperliche Interventionen vor.

Unterscheidung zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen sind zu beachten!

 

Absolute Kontraindikationen

Hinweis:
Absolute Kontraindikationen bedeuten nicht Bewegungsverbot oder Inaktivität.
Ein Training mittels OTT® ist kontraindiziert, Aktivitäten des Alltags sind jedoch nicht ausgeschlossen.

  • akute Blutungen bzw. starke Blutungsneigung
  • Thrombozytenwerteunter 10.000/μl
  • Blutungsneigung oder –zeichen zwischen 10.000 und 20.000/μl Thrombozyten
  • starke Schmerzen und eine Verstärkung der Schmerzen durch Bewegung
  • Fieber bzw. Temperatur über 38°C
  • akute Infektionen (zum Schutz anderer Patienten)
  • die ersten 48 Stunden nach gleichzeitiger Gabe von Herceptin (monoklonaler Antikörper) und Chemotherapie (Risiko von Herzrhythmusstörungen)
  • Hämoglobinwerte unter 8g/dl Blut in Kombination mit Schwindel

 

Relative Kontraindikationen

Hinweis:
Relative Kontraindikationen müssen unter individuellen Aspekten vom Therapeuten betrachtet werden, bevor über die Unbedenklichkeit für das Training auf der OTT® entschieden werden kann.

  • an den Tagen, an denen und 24-48 Std. nachdem akute herz-oder nierenschädliche Chemotherapeutika verabreicht werden
  • Übelkeit bzw. Erbrechen
  • tolerierbare Schmerzen
  • Bewusstseinseinschränkungen und Verwirrtheit
  • Hämoglobinwerte unter 8g/dl Blut
  • Schwindel
  • Bestrahlte Strukturen, die im direkten Bereich der Trainingsgeräte liegen
  • Hirnmetastasen (Anfallsneigung? Wenn ja, keine anstrengenden Interventionen)
  • Lebermetastasen (evtl. keine anstrengenden Interventionen aufgrund Blockierungen der Pfortader und daraus resultierender Gefahr einer kardiovaskulären Dekompensation)

 

Ablauf der OTT® Onkologische Trainingstherapie – Aktiv gegen Krebs

Zu Beginn erfolgt durch eine fachlich qualifizierten Therapeuten eine Anamnese und eine bewegungstherapeutische Diagnostik anhand standardisierter Assessments. Auf deren Grundlagen ein personalisiertes Bewegungsprogramm für den Patienten erstellt wird. Die Trainings- und Bewegungstherapie erfolgt, angepasst auf möglich vorhandene Nebenwirkungen, mit zusätzlichem Modultraining:

  • Fatique
  • Polyneuropathie
  • Lymphödem
  • Kachexie
  • Osteoporose
  • Nebenwirkungen der Antihormontherapie
  • Knochenmetastasen
  • Harninkontinenz

Alle 12 Wochen erfolgen Zwischentestungen und eine Verlaufskontrolle, um die Therapie gegebenenfalls anzupassen. Zum Ende der Trainingszeit erfolgt ein Abschluss- und Beratungsgespräch mit dem Therapeuten.

Kontakt für Ärzte

Für ein Informations- und Beratungsgespräch bei Ihnen vor Ort oder via Telefontermin schicken Sie bitte eine Mail an ott@arcanum-gesundheitszentrum.de oder rufen Sie uns an unter 0341/ 24 99 33 40.